Schulhund Dexter

 

Konzept für ein Schulhundprojekt an der
Berkersheimer Schule, Frankfurt

Erstellt von Christin Schulz
Stand: November 2016

 

  1. Einleitung 

Der Einsatz von Hunden in der Schule hat sich in den letzten Jahren kontinuierlich weiterentwickelt. Immer mehr Lehrer setzen gezielt Hunde bei der Arbeit im Klassenzimmer ein (vgl. Beetz 2013, S. 13). Diverse Erfahrungen und zahlreiche Studien belegen, dass der Einsatz von Schulhunden eine wirkungsvolle Ergänzung zum konventionellen Unterricht darstellt (Heyer & Kloke 2011, S.19 ff).

Die Arbeit mit einem Schulhund fällt unter den Begriff tiergestützte Pädagogik und wird laut der International Society for Animal-Assisted Therapy folgendermaßen definiert: „Tiergestützte Pädagogik [...] wird von einer Fachkraft mit einer pädagogischen [...] Ausbildung und entsprechendem Fachwissen über die eingesetzte Tierart durchgeführt. Die Intervention ist auf ein pädagogisches Ziel ausgerichtet, welches Bildung und/oder Erziehung betrifft.“ (Vgl. Beetz 2013, S. 14).
Ein Teil der tiergestützten Pädagogik ist die hundegestützte Pädagogik und ein Schulhund in diesem Zusammenhang „verbringt regelmäßig eine gewisse Zeit im Klassenraum und im Unterricht. Er wird von einer für den pädagogischen Hunde-Einsatz ausgebildeten Lehrperson geführt.“ (Beetz 2013, S. 16)

Zahlreiche Beispiele zeigen, dass der Einsatz von Hunden die Lernbedingungen in der Schule positiv verbessern und somit einen bedeutenden Beitrag zur Bildung und Erziehung leisten kann (vgl. Heyer & Kolke 2011, S. 24).

  1. Positive Auswirkungen beim Einsatz eines Schulhundes

 

Neben der positiven Rückmeldung von Eltern, Schulleitung und Kollegen sind es natürlich die Schülerinnen und Schüler , die von einem Schulhundeinsatz begeistert sind. Erwiesenermaßen hat sich gezeigt, dass „Sozialverhalten, Motivation, Konzentration, Klassenklima und Lust auf Schule durch die Anwesenheit des Schulhundes im Unterricht günstig beeinflusst werden.“ (Beetz  2013, S. 18).

Das Drei-Faktoren-Modell der positiven Wirkung von Schulhunden (Beetz 2013, S. 105)

Gemäß der obenstehenden Abbildung von Andrea Beetz gibt es drei wesentliche positive Faktoren, die von Schulhunden ausgehen. Zum einen wird das gesamte Klassenklima durch die positiveren sozialen Interaktionen und Beziehungen zwischen dem Lehrer und den Schülern als auch den Schülern untereinander durch den Schulhund gefördert. Zum anderen wird durch die Anwesenheit eines Hundes im Unterricht die Lernatmosphäre positiv beeinflusst.  Die Schüler sind motivierter und zeigen mehr Freude am Lernen und haben eine positivere Einstellung zur Schule. Des Weiteren fördert ein Schulhund den Abbau von psychischen und physischen Stress und nimmt Ängste, dadurch dass er einen entspannt-ruhigen aber aktiven Zustand beim Lernen bewirkt. (vgl. Beetz 2013, S. 104)
All diese genannten Faktoren wirken sich förderlich auf das soziale und kognitive Lernen aus und beeinflussen den Unterricht in unterschiedlichster Art und Weise positiv.

  1. Voraussetzungen für den Einsatz

 

Dem Einsatz des Schulhundes wurde auf der Gesamtkonferenz vom 25.03.2015 und auf der Schulkonferenz vom 23.04.2015 zugestimmt. Das zuständige Schulamt Frankfurt am Main wurde informiert.

3.1 Wesensvoraussetzungen für einen Schulhund

Laut Andrea Beetz (2013) sollte ein Schulhund folgende Charaktermerkmale aufweisen:

3.2 Hygienische und gesundheitliche Vorsorge

Im Rahmen der Selbstverpflichtung wird Dexter regelmäßig vom Tierarzt untersucht. Er erhält alle notwendigen Impfungen und wird prophylaktisch entwurmt. Sein guter Gesundheitszustand wird regelmäßig vom Tierarzt attestiert.
Zudem verfügt die Schule über einen Hygieneplan für den Schulhund Dexter. Dieser hält u.a. fest, dass Dexter keinen Zugang zur Schulküche hat. Darüber hinaus ist dort die Bedeutsamkeit über das regelmäßige Händewaschen, insbesondere vor der Essenseinnahme, festgehalten. Diverse Hilfsmittel, wie Seife, Händedesinfektionsmittel und Reinigungsspray, stehen stets im Klassenraum zur freien Verfügung.
Alle entsprechenden Nachweise und Dokumente können in der Schule eingesehen werden.

3.3 Regeln für den Umgang mit dem Hund

Bereits vor dem ersten Schulbesuch von Dexter wurde mit den Schülern der Klasse von Frau Schulz Regeln erarbeitet, die für den Umgang mit dem Hund in der Schule von Bedeutung sind. Diese wurden zusammengetragen, ausführlich besprochen und schriftlich festgehalten. In Form von Plakaten hängen diese Regeln im Klassenraum und in der Schule aus, sodass die gesamte Schülerschaft, Lehrer und Eltern Zugang hierzu haben. Es wurden sowohl Regelsätze formuliert als auch Symbole verwendet, damit auch die Schüler, die noch nicht lesen können, diese verstehen und ggf. nachschauen können.

Regelplakat für den richtigen Umgang mit dem Schulhund Dexter

3.4 Das Wesen des Hundes Dexter

Dexter ist ein 1,5 Jahre alter reinrassiger Malteserrüde. Er stammt aus kontrollierter Zucht und hat adlige Wurzeln (von der Burg Els). Der Malteser zeichnet sich besonders durch sein freundliches, sanftes, ruhiges und gutmütiges Wesen aus. Er ist aggressionslos und zieht sich bei Bedrängnis zurück. Er verfügt über einen intelligenten, lernwilligen und aufmerksamen Charakter, ist sehr kinderlieb und wird besonders häufig als Familienhund eingesetzt. Dexter ist Menschen gegenüber ein aufgeschlossener Hund und nimmt stets mit großer Freude Kontakt zu fremdem Leuten auf.
Zudem können durch den Malteser keine Allergien hervorgerufen werden, da er über kein Fell, sondern Haare verfügt. Auch verlieren sie kaum Haare, da sie kein Unterfell haben und keinen Haarwechsel durchleben.

Frau Schulz besucht mit Dexter vom Welpenalter an regelmäßig die Hundeschule oder hat Einzeltrainingsstunden mit einer Hundetrainerin um den Grundgehorsam zu erlernen bzw. zu festigen.

In den Jahren 2015 bis 2017 absolviert Frau Schulz mit dem Schulhund Dexter eine berufsbegleitende Fortbildung zur hundegestützten Pädagogik bei Schnauzenwelt. Hier nimmt sie an einer Hund-Mensch-Team-Ausbildung für Schulhunde teil.

  1. Der Einsatz des Schulhundes Dexter an der Berkersheimer Schule

 

Seit dem Schuljahr 2015/16 besucht Dexter regelmäßig die Berkersheimer Schule. Er agiert ausschließlich mit Frau Schulz im Team in den von ihr zu unterrichtenden Klassen mit Schülerinnen und Schülern im Alter von 6 bis 10 Jahren. Der Einsatz erfolgt immer gemäß der Bedürfnisse und Voraussetzungen des Hundes, der Schüler, der Lehrerin und der Schule und wird entsprechend individuell angepasst. Rituale und Regeln für den Umgang mit dem Hund wurden in allen betroffenen Klassen eingeführt und werden regelmäßig wiederholt. Auch steht für den Hund stets ein geeigneter Rückzugsort zur Verfügung, an dem er nicht gestört werden darf.

Für den überwiegenden Teil der Schulzeit ist der Schulhund Dexter einfach nur anwesend und darf sich im Klassenraum frei bewegen. Hierbei kann er sich freiwillig aussuchen mit welchen Schülern er Kontakt aufnimmt und die Schüler können im Gegenzug selbstständig entscheiden, ob sie mit ihm interagieren möchten, z.B. in Form von Streicheln. Darüberhinaus übernehmen die Schüler in Form von Hundediensten die verantwortungsvolle Aufgabe dem Hund frisches Wasser bereitzustellen und seinen Platz herzurichten. Nach dem Unterricht dürfen einzelne Schüler auf freiwilliger Basis zusammen mit Frau Schulz den Hund ausführen.

Integrierte Bestandteile des Unterrichts sind spezielle Aufgaben und Spiele, die die Schüler mit dem Schulhund machen dürfen. Dieses umfasst einfache Kommandoarbeit (z.B. Sitz, Platz), kleine Kunststücke (z.B. Pfötchen geben, High-Five machen), motorische Übungen (z.B. Agility-Parcous) und andere Übungen, wie die Mutprobe.

Der Einsatz des Schulhundes Dexter an der Berkersheimer Schule unterstützt auch die Umsetzung einiger wichtiger Kompetenzen, die in den hessischen Bildungsstandards verankert sind. Im Deutschunterricht kann ein Schulhund beispielsweise motivierend sein und sowohl als Grundlage für eine Erzähl- und Gesprächskultur als auch eine Lese- und Schreibkultur dienen. Die Schüler nehmen den Schulhund zum Anlass um über ihn zu schreiben, zu erzählen oder zu lesen.
Im Mathematikunterricht sollen viele Alltagserfahrungen aufgegriffen und grundlegende mathematische Kompetenzen entwickelt werden (vgl. Agsten et al. 2011, S. 14 f). Hierbei könnten u.a. beispielhaft an dem Schulhund diverse Berechnungen zum Futterverzehr vorgenommen werden.
Weitere mögliche Umsetzungsformen für die Integration des Schulhundes im Unterricht sind im folgenden Kapitel näher aufgeführt. 

 

 

4.1 Mögliche Unterrichtsinhalte

4.2 Förderbereiche

Die vielfältigen Aufgaben und Übungen, die mit dem Schulhund gemacht werden können und die reine Anwesenheit im Klassenzimmer wirken sich förderlich auf die unterschiedlichsten Entwicklungsbereiche der Schüler aus. Viktor Ledl (Agsten et al. 2011, S. 64 ff) hat diese Förderbereiche folgendermaßen betitelt:

Emotionalität

Sensorik

Motorik

Sozialkompetenz

Sprache/ Kommunikation

Kognition

Lern-/ Leistungsverhalten

 

  1. Literatur

Agsten, Lydia; Führing, Patricia & Windscheif, Martina. Praxisbuch Hupäsch: Ideen und Übungen zur Hundegestützten Pädagogik in der Schule. Norderstedt: Books on Demand. 2011.

Beetz, Andrea. Hunde im Schulalltag: Grundlagen und Praxis. München: Rheinhard Verlag. 2013.

Heyer, Meike & Kloke, Nora. Der Schulhund: Eine Praxisanleitung zur hundegestützten Pädagogik im Klassenzimmer. Nerdlen: Kynos Verlag. 2011.

 

Zur besseren Lesbarkeit wird im weiteren Verlauf für diese Personenbezeichnung lediglich die männliche Endung verwendet, welche aber die weibliche Form stets mit einbezieht.

www.schnauzenwelt-geht-in-die-schule.de

 

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